DIESE NACHT
++ DIESE NACHT - Kinopremiere mit Darstellern und Team am 5. März 2009 in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin
++ Filmmagazin "Schnitt" 1/09: Themenheft Werner Schroeter
++ A Tribute to Werner Schroeter - Viennale 2008
++ Deutsche Uraufführung von DIESE NACHT bei den Hofer Filmtagen 2008
++ Am 3. September 2008 feierte Werner Schroeter neuster Film "Diese Nacht" (Nuit de Chien) seine Premiere beim Filmfestival in Venedig.
Detailinformationen zum Film entnehmen Sie bitte der Film-Seite der Filmgalerie 451.
<--> Die Synopsis und Anmerkungen des Regisseurs zum Film können Sie direkt hier lesen.
KINOSTART am 2. April 2009
Premieren zum Kinostart in Anwesenheit von Werner Schroeter:Sonntag, 29.03. Augsburg, Thalia Kino - 12:00 Uhr
Sonntag, 29.03. München, Forumkino am Deutschen Museum - 20:00 Uhr
Montag, 30.03. Köln, Filmpalette - 20:00 Uhr
Dienstag, 31.03. Düsseldorf, Bambi Kino - 19:00 Uhr
Mittwoch, 01.04. Münster, Cinema - 20:00 Uhr
Donnerstag, 02.04. Hamburg, Metropolis Kino - 19:30 Uhr
Samstag, 04.04. Potsdam, Thalia Kino, 19:00 Uhr
Sonntag, 05.04. Berlin, Kant Kino, 20:00 Uhr
Synopsis von "Diese Nacht"
Über die Notwendigkeit der Utopie
In meinem gesamten kinematografischen Werk (und teilweise auch in meiner Arbeit für das Theater) suche ich die elementaren Kräfte der Liebe, des Todes und des Lebens mit Hilfe vielfältiger Phantasmagorien oder utopischer Formen zu ergründen. Im Werk Juan Carlos Onettis spüre ich viele mir verwandte Ideen, wenn auch gefiltert durch die unerträgliche Erfahrung des Krieges und das typische chauvinistische Temperament der Südamerikaner. Sein Werk mündet letztlich in folgender Frage: Was ist der Mensch? Woher kommt seine Energie, sein Sinn für das Schicksal, und, vor allem, seine Sehnsucht, dieses innere Glühen in dem sich Melancholie und Begehren vereinen?
Meiner Meinung nach muss das Kino neue Wege für die Darstellung jener elementaren Kräfte finden. Sie haben im Grunde viel zu selten Gelegenheit, sich auszudrücken. Die Kommunikation via elektronischer Medien führt zu einer Art Wesensverkümmerung, einer regelrechten Zerstörung. Fernsehfilme sind von oft beeindruckender Banalität. Unaufhörlich wird man mit den immergleichen Thrillern (Action, Suspense) und schwülstigen Melodramen (Emotion) mit ihren oft allzu simplen und seichten Plots konfrontiert. Wie können solche Filme jemals unsere Phantasie nähren? Wie können sie uns helfen, komplexe Utopien zu entwerfen, die den Reichtum unseres Inneren erforschen, die Tiefen unserer Natur ausloten?
Dank seiner Hellsichtigkeit als Künstler und sensibler Beobachter ist es Onetti gelungen, ein Werk von großer Komplexität zu schaffen. Sein sehr persönlicher Stil macht ihn zu einem Vorläufer des Existentialismus' eines Camus' oder eines Sartres, später von Althusser und Foucault. Mit letzterem habe ich einen regen Austausch über die Idee der Leidenschaft gepflegt, die den Menschen antreibt, auch wenn er selbst nicht ganz in Leidenschaft entbrannt ist. Auch Foucault hat oft die Verbindungslinien von Sex und Politik untersucht.
Unser Film übernimmt die dramaturgische Struktur Onettis. Der Mensch und der Krieg, der Belagerungszustand, das sind die zentralen Themen sowohl seines als auch unseres Werks, was uns in die spürbare Nähe von Célines Roman Reise ans Ende der Nacht führt. Auch einem verwundeten Menschen bleibt stets die Wahl, sich Gewalt, Brutalität und Bestialität zu widersetzen, doch nur all zu oft fällt auch er ihnen anheim. Und diejenigen, die dieser Gewalt verfallen sind, haben alle utopische Hoffnung fahren lassen - Hoffnung als die einzige Möglichkeit Leben, Liebe und Leidenschaft aufrecht zu erhalten und den Tod mit Würde zu ertragen.
Die dichte Atmosphäre der Stadt Santa Maria, die wir in Porto angesiedelt haben, erinnert an zwei kinematografische Meisterwerke, deren Stimmung ich sehr mag: Toch of Evil von Orson Welles und Kiss me deadly von Robert Aldrich.
Schließlich sollte man auch Onettis Sinn für Humor nicht vergessen, ein leichter, typisch argentinischuruguayischer Humor, der sein ganzes Werk durchzieht, und es verdient, auf die große Leinwand gebracht zu werden.
In der Hitze des Gefechts, ein Lächeln wider das Desaster.
